Ich freue mich über die vielen „Willkommen in Europa“-Nachrichten, finde es jedoch, wenn ich so darüber nachdenke, sehr komisch, wieder auf meinen Heimat-Kontinenten zurück zu kehren und bleibe weitestgehend emotionslos. Es ist wie es ist und ich habe nun auch mal gelernt, im Hier und Jetzt zu sein, weil alles andere unmöglich wäre. Würde ich zurück denken, würde ich den Augenblick verpassen. Selbiges, wenn ich in die Zukunft blicke, von der ich ohnehin nicht weiß, was sie bringt. Island wurde mir von dem Reisebüro, in dem ich die ersten Langstreckenflüge gebucht hatte, ans Herz gelegt, da das von Kanada aus einfach ein guter Stopover sei. Ich wollte ja eigentlich schon letztes Jahr rund um meinen Geburtstag nach Island, um die Polarlichter zu sehen, es hatte sich dann aber nicht ergeben. Nun fliege ich hin, in dem Wissen, dass ich sie definitiv um diese Jahreszeit nicht sehen werde und weiß noch gar nicht recht, was ich da soll 😬 Doch auf meinen Besuch dort freue ich mich riesig. Karla kommt. Mit Karla habe ich die „Sturm- und Drang-Zeiten“ meiner Jugend verbracht. Und es gab niemanden, mit dem ich so viel Spaß hatte und mit dem ich sonst hätte so reden können, wie mit ihr. Beide Migrationshintergrund (sie rumänischen, ich kroatischen), beide verrückt und dabei absolut liebenswert 😉 Während Ausbildung und Studium haben wir uns schließlich mehr oder weniger aus den Augen verloren. Ich hatte sie jedoch zu meiner Hochzeit eingeladen und sie war dann auch eine der ersten, der ich auch von der bald darauf folgenden Trennung erzählte. Karla hat das nicht gewundert, ebenso wenig wie meine Weltreise. Sie weiß Dinge von früher, die ich längst vergraben oder vergessen habe. Ich wollte also schon immer eine Weltreise machen, wie sie besser in Erinnerung hat als ich 😁 Und ich bin dankbar, dass wir uns vor meiner Abreise erst zufällig und dann zwei Mal ganz absichtlich wieder getroffen haben. Wir haben zwei, drei Mal auf meiner Reise telefoniert und ich war ganz gerührt, dass sie mich vermisst und noch mehr, als sie kurzerhand beschließt, mich zu besuchen. Erst wollte mich ein Freund besuchen, woraus nichts geworden ist und weswegen ich Beate abgesagt hatte, die jetzt nach Schweden kommt. Und eigentlich war es irgendwie von Anfang an Karla. Und ich bin schon gespannt, warum das genau so sein muss. Wie gesagt, so richtig viel Kontakt hatten wir die letzten zwei Jahrzehnte nicht und so hoffe ich, dass wir überhaupt noch „miteinander klar kommen“ 😜

Jetzt bin ich so lange durch die Welt gereist, aber ohne Witz: es war nie so kompliziert wie für Island, im Vorfeld herauszufinden, wie das mit dem Transfer vom Flughafen in die Stadt funktioniert. Aber ja, natürlich, ist mir auch das gelungen 😉 Wenngleich es mich auch ein wenig genervt hatte und ich es immer noch unverschämt teuer finde. Doch daran muss ich mich wohl gewöhnen, denn von allen Seiten höre ich, wie teuer Island ist.
Die Fahrt dauert in etwa eine Stunde und ich staune über die violetten Blütenteppiche, die sich über die flache, friedliche Landschaft erstrecken und die ich schon aus der Luft gesehen hatte. Island ist in voller Lupinen Blütezeit – wie schön 😍
Ich komme am frühen Morgen an, Karla landet erst am Nachmittag. Und ich bin sehr dankbar, dass der nette Herr in unserem Gästehaus sagt, dass ich in einer halben Stunde schon einchecken kann und nicht bis 15 Uhr warten muss. Ich habe Hunger und daher mache ich mich mal auf den Weg. Die Luft ist kühl, doch unglaublich wohltuend und ich bin von Anfang an ganz angetan von den skandinavischen Bauten und Häusern. Wir wohnen wie es aussieht in nächster Nähe zu der „Haupteinkaufs- und –ausgehstraße“ und die muss ich natürlich direkt erkunden. Ein Souvenirladen neben dem nächsten, dazu viele Bars, Restaurants und Cafés. Am Ende der Straße finde ich einen Supermarkt, kaufe mir ein belegtes, dunkles Brot. Oh wie ich das vermisst habe, ein echtes, richtiges, dunkles Brot mit Körnern, yummie. Dann gehe ich schnell wieder zurück, um mich hinzulegen, denn ich habe auf dem Nachtflug kaum geschlafen plus die Zeitverschiebung, mein Alter und die Dauermüdigkeit 🤪 Außerdem habe ich jetzt schon das vage Gefühl, dass Karla und ich vielleicht nicht allzu früh ins Bett gehen werden die kommenden Tage. Vielleicht täusche ich mich aber auch.
Nach einem mehrstündigen Schlaf bin ich bereit, Karla in Empfang zu nehmen. Die Bushaltestelle liegt direkt vor der Türe und ich warte eine gefühlte Ewigkeit, unvernünftiger weise in Flipflops, was mir fast Frostbeulen beschert. Dann ist es soweit. Nach sieben Monaten endlich wieder jemanden aus der Heimat drücken und dazu noch Karla. Oh wie wir uns freuen! Auch wenn es noch ein bisschen komisch ist, kommt ganz schnell wieder ein vertrautes Gefühl auf, spätestens dann, als Karla mir eine Tüte mit Broten reicht, die ihre Mutter auch für mich belegt und mitgeschickt hat! Wie lieb ist das denn ☺ Und dann Karla, die Unglaubliches aus ihrem Koffer fischt: Dosenwurst (!), Käse, Cracker, Äpfel, Gummibärchen, anderen Süßkram, zwei Fläschchen Prosecco und ein ordentliches Messer. Diese Frau ist mindestens so praktisch veranlagt wie ich – I love it! Wir reden ganz durcheinander über Dieses und Jenes und zwischendurch lachen wir immer wieder. Es fühlt sich jetzt schon total unkompliziert und gut an, könnte glatt lustig und schön werden 🙃

In direkter Nachbarschaft gibt es kleines, bezahlbares Restaurant, in dem Suppen im Brotlaib angeboten werden und man kann so oft nachschöpfen lassen wie man möchte. Der Rekord liegt wohl bei 11 Mal bei der Lamm- und 15 Mal bei der Fischsuppe. Wir nehmen die Fischsuppe und bekommen, weil wir neu in der Stadt sind, direkt noch einen Gutschein für ein Bier. Das ist ja mal nett. Wir sitzen noch lange nachdem wir ausgelöffelt und ein Brot zusammen verputzt haben, braucht es eben doch ein Weilchen, um uns in jeglicher Hinsicht upzudaten 😆 Dann gehen wir zur Straße, die ich am Spätvormittag schon entlang gegangen bin, um uns ein wenig zu bewegen, umzuschauen und eine Bar zu finden. Und man sollte nicht unterschätzen, was es bedeutet, zu Beginn eine „entsprechende“ Kneipe zu finden. Meiner Erfahrung nach hält die Anziehung meist einen Aufenthalt lang 🤣 Wir werden fündig, keine Ahnung warum unsere Auswahl auf das „Boston“ fällt, der Name ist es definitiv nicht, denn den nehmen wir zunächst gar nicht wahr. Vermutlich weil wir eine „Rooftop-Bar“ ausmachen, wobei man sich bei einem zweigeschossigen Haus jetzt bitte auch nicht das Bild einer mit Sand aufgeschütteten und Liegestühlen bestückten Terrasse im 16. Stock bzw. auf dessen Dach machen sollte. Nein, nein, es hat ein bisschen was Abgewracktes, Dunkles, wobei die Terrasse wirklich nett ist, einfach nur, weil es eine gibt 😆 Wir bestellen uns Getränke und setzen uns raus. Es ist ja skurriler weise noch hell, obwohl schon spät ist. Wir schauen uns um und haben einiges zu „bestaunen“: so viele, wie soll ich das jetzt ausdrücken, also vielleicht „andersartige“ Menschen, die da herum sitzen. Seltsame Kleidungsstile, unterschiedliche Sprachen und zwar ganz und gar nicht solche, wie ich sie bisher gehört habe. Es wird gesprochen, gelacht, geraucht und gekifft, auch getorkelt, hier und da mal gegafft 😆 Wir können nicht mehr vor Lachen und spätestens jetzt fühle ich mich wie damals, als wir beiden um die Häuser zogen. Als hätten wir uns kein bisschen verändert und als sei die Zeit stehen geblieben. Wir kommen ins Gespräch mit einem Spanier, der hier arbeitet, jedoch heute frei hat. Wir sind uns gerade nicht sicher, hat er Dennis oder Daniel gesagt? Egal, ist ja im Gespräch nicht so wichtig. Wir erfahren ein bisschen was über Island bzw. viel mehr darüber, was hier abends so los ist und woher all diese Menschen kommen, warum er selbst hier her gezogen ist. Es dauert nicht lange, da bringt er uns auch schon ein paar Drinks und kurz darauf haben wir dann auch einen „kleben“, somit ist es ja ohnehin ein Leichtes, mit jedem zu quatschen 🤣 Und so kommen wir mit Polen, Litauern und Letten ins Gespräch. Interessant. Und lustig. Es muss schon sehr spät sein, doch es ist immer noch hell. Wir wundern uns, doch noch messen wir dem nicht ganz so viel Bedeutung bei. Es ist recht viel los, denn morgen ist Nationalfeiertag und die meisten haben frei, daher ist dieser Sonntag eigentlich wie ein Samstag. Und deswegen gehen wir auch noch nicht zurück, sondern machen uns nur gaaanz langsam auf den Rückweg. Denn wir schauen noch in jeder Lokalität, die eine Mischung aus Kneipe und Club darstellt, vorbei und lachen uns weiter über die Menschen, die uns begegnen schlapp. Nein, nein, wir lachen sie nicht aus, aber die sehen so lustig aus und tragen ganz seltsame Sachen, ehrlich. Als wir aus der letzten Kneipe kommen, sind wir sprachlos. Es ist Mitten in der Nacht und taghell. Ohne Spaß, so wie bei uns mittags um 15 Uhr an einem sonnigen Tag. Das ist das Skurrilste was ich je erlebt habe. Wir hatten ja im Vorfeld schon gesehen, dass um Mitternacht erst Sonnenuntergang und vor drei Uhr schon wieder Sonnenaufgang ist, doch selbst in dieser Zeit ist es hell. Sonnenunter- und -aufgang ist nur als Streif am Horizont sichtbar, der restliche Himmel bleibt hell. Wir kichern rum wie kleine Kinder und sind so aufgedreht, dass das Einschlafen gar nicht so einfach ist 😆

Man hat uns von einer Parade zum Feiertag erzählt, doch wir sind zu müde, um früh aufzustehen. Doch nachdem wir Kaffee getrunken, gefrühstückt, geduscht haben und noch während wir unseren Turban auf dem nassen Kopf tragen, werden wir sogar Teil der Parade, um nicht zu sagen Attraktion. Denn das ganze Spektakel führt an unserem Gästehaus vorbei und wie wir die Tür aufreißen, um Fotos und Videos zu machen, blickt die gesamte Menge zu uns. Kennt ihr den Film „Notting Hill“? Als der schräge Mitbewohner vors Haus tritt, wo die ganze Presse versammelt steht? Genau so fühlen wir uns und biegen uns erneut vor Lachen. Wir beeilen uns jetzt, fertig zu werden, um den Trubel in der Stadt, vor allem aber die herrliche Sonne mitzunehmen.
Wir sehen Einheimische in Wikingerkleidung, einen Riesendrachen aus Luftballons, der Teil der Parade war, Vorführungen auf Islandpferden und freuen uns einfach über das bunte Treiben. Als wir später am Wasser und an der Oper landen, bekommen wir noch eine Empfehlung für einen Mietwagenverleih. Wir haben nämlich beschlossen, die Insel ein wenig auf eigene Faust zu erkunden, bevor wir jeweils Unmengen für eine gebuchte Tour bezahlen, bei der wir dann nicht mal flexibel sind. Läuft also wie am Schnürchen und das obwohl Feiertag ist. Als wir den jungen Mann bei der Autovermietung fragen, ob es denn am Abend ein Feuerwerk gibt, schaut er uns zunächst fragend an und schweigt einen Moment, bevor er sagt, dass es hier zu dieser Zeit keine Feuerwerke gibt, da man sie aufgrund der Helligkeit ja nicht sehen würde. Wir prusten los, das hatten wir natürlich nicht bedacht 😆 Wir können den Wagen erst morgen holen, daher stiefeln wir zu Fuß zurück, kaufen noch ein, gehen lecker Fish & Chips am Hafen essen und entdecken in der Stadt durch ein kleines Fenster eines Hot Dog-Standes Dennis-Daniel, den Spanier (wir wissen immer noch nicht ob er Dennis oder Daniel heißt 😆) bei seinem Zweitjob. Wir unterhalten uns ein wenig und sagen, dass wir uns später bestimmt im „Boston“ sehen. Und wir sehen ihn wirklich, er uns aber nicht und das ist okay so, denn er drückt einem schon gerne auch eine Kassette aufs Ohr 🤪 Wir bleiben heute außerdem nicht so lange, denn erstens ist nicht viel los, da morgen alle wieder arbeiten müssen und wir wollen ja selbst früh los. Es ist tricky, dass 24 Stunden lang hell ist, denn man hat einfach kein Zeitgefühl, schon gar nicht für Spät. Bei mir hat es schließlich zur Konsequenz, dass ich nicht einschlafen kann. Ich fühle mich wie ein Kind, das im Sommer ins Bett muss, obwohl noch hell ist 😏

Für unsere Verhältnisse geht es morgens wirklich früh los, wobei wir den vorgesehenen Puffer noch voll mit auskosten 😆 Heute steht der „Golden Circle“ auf dem Programm, bei dem man die fünf bekanntesten Hotspots Islands abfährt, sieht und bestaunt. Das sind: der Thingvellir Nationalpark, das Geysir-Geothermalgebiet, der Gullfoss Wasserfall und der Krater Kerid. Die Blaue Lagune heben wir uns für morgen auf, außerdem meinte Dennis-Daniel, die „Secret Lagoon“ sei schöner. Als wir diese allerdings anfahren und aus nächster Nähe sehen, steht auch schon der nächste Lachkrampf auf dem Programm. Wozu wir die schönsten Bilder im Kopf hatten, entpuppt sich als kleines Rentner-Reha-Planschbecken 🤣 Einzig zum auf die Toilette gehen war dieser Abstecher gut.
Um so faszinierender die Landschaft, die Island zu bieten hat. Es wurde uns schon mehrfach gesagt, dass es ein solches Traumwetter seit Jahren nicht gegeben hätte und es ist in der Tat schön, das Grün, das Lila, die Berge und die Weiten bei Sonnenschein zu sehen. Allerdings ist es heute unfassbar windig. Eine polarkalte und eisige Luft bläst uns so derart um die Ohren, dass wir immer nur kurz für ein paar Fotos aussteigen können und dabei Acht geben müssen, dass uns Handy und Kamera nicht aus den Händen gerissen werden! Wie gut, dass ich eine Daunenjacke aus Australien mitgebracht habe und Karla ein paar zusätzlich warme Sachen, sonst würde ich jetzt definitiv erfrieren. Nichts desto trotz sind wir ganz angetan von dem, was wir sehen und sonst nur von Bildern kennen. Und es lässt sich tatsächlich erfühlen, dass hier in den Gräsern, Bodendeckern und dem Moos Feen, Elfen, Trolle & Co. Zuhause sind und dieses Gefühl lässt uns auch sehr achtsam umher gehen und lädt gleichzeitig zum Träumen und Durchatmen ein. Einiges erinnert mich an Neuseeland, anderes an Hawaii und doch ist hier eine eigene, ganz spezielle Energie, die wir sehr genießen und bewundern. Und neben vespern und nappen im Auto, haben wir immer wieder etwas zu reden, vor allem aber zu lachen. Das ist die pure Leichtigkeit und Lebensfreude, das lässt sich anders gar nicht ausdrücken!

Unerwartet gut gefällt mir auch der Besuch der Blauen Lagune. Schon draußen ist der Anblick des türkisblau-weißen Wassers, das zwischen schwarzem Lavagestein fließt, einfach unbeschreiblich. So viel ich schon gesehen habe, so etwas definitiv noch nicht. Gigantisch. Auch drinnen bin ich begeistert, nachdem ich mich zunächst etwas geziert habe. Die Anlage ist riesig, so dass die Besucher sich gut verteilen. Es ist alles sehr naturbelassen und sogar eine Maske mit entsprechendem Lagunenschlamm wird angeboten und nutzen wir gerne zwei Mal 😉 Ein richtiger Wellnesstag. Dazu die heutige Fahrt durch eine wieder einmal mondähnliche Landschaft – ich bin ganz im Glück. Den Höhepunkt gibt es dann am Abend, als wir mal wieder auf so „ganz andere“ Menschen treffen: den Kapitän eines Fischereischiffes und einen Teil seiner Besatzung. Die eine Hälfte kommt aus Grönland und die andere von den Faröer Inseln. Auch wenn ich nicht alle Länder besucht habe, so langsam habe ich jedoch von überall Menschen kennen gelernt 😊 Und wir sind ganz angetan von deren Erzählungen und haben tausend Fragen. Am gleichen Tisch lernen wir auch Islands Starköchin Fanney Dora kennen, die im Februar zur Olympiade der Köche nach Stuttgart fliegt. Eine Freundin die sie dabei hat, plant mit ihrer Familie sogar ein Wochenende in Baden-Baden. So klein ist also immer noch die Welt 😊

An unserem letzten gemeinsamen Tag in Reykjavik lassen wir es ganz gemütlich angehen. Bummeln, shoppen, schlendern, in den Tag hinein leben. Wir finden allerlei Souvenirs, stöbern in zwei Weihnachtsläden (!) und können nicht glauben, was es da alles – und das ganzjährig (!) – gibt. Außerdem finden wir den ultimativen Laden, der alles erklärt. Er liegt direkt neben „unserer“ Boston-Bar. Als wir ihn betreten, bekommen wir umgehend Ideen, wie wir uns nächstes Jahr zu Fastnacht verkleiden können, was fürs nächste Schlagerkonzert passend wäre, sehen aber auch gaaanz viel Peinliches, Seltsames und Abartiges. Und genau das, wird hier getragen: mal ein Morgenmantel am Abend, mal ein Strampler für Erwachsene, auch Pokemón-Kopfbedeckungen sind ganz weit vorne. Wir liegen am Boden vor lachen, und das jedes Mal, wenn wir auf der Straße jemandem begegnen, von dem wir wissen, dass er hier eingekauft haben muss. Insgesamt gibt es sehr viele Second Hand-Läden, was bestimmt auf die hohen Preise hier, vor allem in den Boutiquen, zurück zu führen ist. Und dachte ich, Australien, Neuseeland, Hawaii oder Kanada seien teuer gewesen, finde ich das inzwischen gar nicht mehr 😆 Na immerhin hat uns das Universum hin und wieder einen Getränkesponsor geschickt und sonst sind wir bemüht, insgesamt nicht das Teuerste zu wählen.

Auch wenn Karla und ich nur ein paar Tage zusammen hatten und auch Island nicht vollumfänglich erkundet haben, war das mit die wertvollste Zeit meiner Reise! Ich weiß nicht, wann ich mich das letzte Mal vor Lachen so beömmelt habe und so viel Spaß hatte, wenngleich er manchmal ganz banal war 🤣 Wie dankbar ich für all die Gespräche bin, für neue Erkenntnisse, für die Vertrautheit, die einfach so wieder da war, für einen Menschen, den ich „wieder gefunden“ habe und der nun einen festen Platz in meinem Herzen hat – DANKE für Alles liebste Karla! ❤
Der Abschied ist schon ein bisschen traurig. Fast noch trauriger ist, dass wir uns erst in zwei Monaten wieder sehen können 😩 Karla reist also ab und ich ziehe um ins Hostel. Auch wenn ich jetzt gerne ein wenig Ruhe hätte, habe ich keine Chance. Und gerade bin ich fast genervt, dass ich immer von jedem angequatscht werde, vor allem im Zimmer: von der 77jährigen (!) Österreicherin, vom Chinesen, der in Polen lebt und versehentlich im Frauendorm gelandet ist, von einer quirligen Amerikanerin aus Boston und einer anderen aus Kalifornien, die mich mit auf ein Konzert schleppen möchte, von einer Spanierin, bei der ich „nachgebe“ und ihr den nächsten Supermarkt zeige. Anna ist wirklich eine gute Seele und wir unterhalten uns viel, doch es ist anders und komisch, denn Karla ist noch total präsent und es ist seltsam, nun mit anderen Zeit hier zu teilen. An einem weiteren  Abend versuche ich gerade, mal in Ruhe zu schreiben, kommen zwei Briten – Tommy & Rich (ich finde, das ist ein genialer Künstlername und zwar ohne das „&“), fangen ein Gespräch an, das gleiche in der Gemeinschaftsküche. Ich gebe auf, scheinbar soll ich hier keine „Ruhe“ haben. Vielleicht sollte ich es auch genießen, denn es ist das letzte Hostel auf dieser Reise, vermutlich die letzten interessanten „Fremden“, die letzte Zeitverschiebung. Und mit einem Mal wird mir bewusst, dass ich dem Ende der Reise immer näher komme. Am Abschlussabend gehe ich traditionell nochmal ins „Boston“, habe ich Karla versprochen. Ganz andere Leute da, hinterm Tresen niemand, den ich kenne, nicht unser Freund, der Pole, der aussieht wie ein Wikinger, nicht einmal Dennis-Daniel, der doch immer irgendwie da war. Immerhin der liebe Albaner, der mir erklärt, dass Dennis-Daniel gekündigt wurde, weil er sich zu ausgiebig mit den Gästen unterhalten hat 😬 und dass der Pole zurück nach Polen ist. Ich kann nicht glauben, was sich in nur wenigen Tagen verändert hat. Dafür lerne ich noch Hannah und Darleen kennen und bin ganz entzückt von unserem Gespräch. Es könnten meine Töchter sein und doch reden wir fast wie Gleichaltrige – außergewöhnlich. Ja, so ist Island: außergewöhnlich, in jeglicher Hinsicht. Verrückt sein erlaubt inklusive. Und deswegen komme ich/kommen wir ganz bestimmt wieder, schließlich gibt es ja noch die Polarlichter 💫

 

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